Riesengebirge 2015

 

Bilder: Hans-Ulrich Horst, Frank Radloff

Gastbeitrag Michael Thews (MdB, SPD) 
über die 16. Freundschaftsfahrt der Motorsportgruppe des Deutschen Bundestags

170 Biker auf den Spuren Rübezahls 

Vom 13. bis 17. Mai fand die 16. Freundschaftsfahrt der Sportgemeinschaft des Deutschen Bundestages statt. Sie führte 178 Biker auf 155 Motorrädern unter dem Motto „Auf den Spuren Rübezahls“ nach Polen und Tschechien. Organisiert und begleitet wurde die Tour von Christina Bosch und Frank Radloff. Die Motorsportgruppe freut sich über folgenden Gastbeitrag von MdB Michael Thews (SPD), den wir hier gern veröffentlichen: 

1. Tag: Vom Reichstag nach Karpasz in Polen 
Mit großem Bahnhof wurden wir am Mittwoch, 13. Mai, vom Direktor des Deutschen Bundestags, Dr. Horst Risse, vor dem Reichstag verabschiedet. Zum Tourauftakt übergab die Gruppe einen Scheck in Höhe von 4000 Euro, die blinden und sehbehinderten Kindern in Vietnam zugutekommt. 
Schon der erste Abschnitt bot uns Motorradfans einen höchst interessanten Termin, denn in Radeberg besuchten wir die Fahrzeugsystemdaten GmbH (FSD). Das Unternehmen betreibt ein Fahrzeugtechnik-Prüflabor und forscht auf dem Gebiet der Elektromobilität im Bereich der Zweiräder. Wir hatten die Gelegenheit, verschiedene Elektrofahrzeuge zu testen und uns über aktuelle Entwicklungen zu informieren. 

Am Abend erreichten wir nach 400 Kilometern unser Tourdomizil in einem Hotel in Karpasz / Polen. Hier soll der Legende nach der Riese und Berggeist Rübezahl gewohnt haben. Tatsache ist, dass der deutsche Schriftsteller Theodor Fontane in Krummhübel (so hieß der Ort früher) zahlreiche Sommer verbracht hat. Von hier aus starteten wir die folgenden Tagesetappen.

Die Straßen in Polen waren in einem mittelprächtigen Zustand, manche der Teilnehmer verglichen sie mit den Pisten im Ruhrgebiet. Durchaus anspruchsvoll zu fahren also, aber auch nicht katastrophal. Der Zustand der Straßen in Tschechien war deutlich besser. Gut, dass wir in diesem Jahr Glück mit dem Wetter hatten und die allermeisten Kilometer bei schönem Wetter unter die Reifen nehmen konnten. Meine BMW, eine GS Adventure, leistete gute Dienste und war mit meiner Sozia und Bundestagskollegin Michaela Engelmeier stets bequem zu fahren. 

2. Tag: Rund ums Riesengebirge 
Rund um das Riesengebirge führte uns der zweite Tag. Erstes Etappenziel war der Teufelsberg mit der Skisprungschanze in Harrachov, einer Kleinstadt in Tschechien direkt an der polnischen Grenze. An der Schanze sind wir von Bürgermeisterin Eva Zbrojová begrüßt worden und haben einiges über den Ort erfahren. Harrachov ist ein beliebter Urlaubsort, er bietet Skipisten, Langlaufloipen und wird auch als „Perle des Riesengebirges“ bezeichnet. 10.000 Gästebetten hält der Ort mit seinen 1000 Einwohner in der Saison bereit. Über kurvenreichen Strecken fuhren wir zum Mittagessen in das Skiareal Spindlermühle (Spindleruv-Mlyn) ist das bedeutendste Wintersportzentrum der Tschechischen Republik. Anschließend ging es über Mala Upa und Kowary zurück nach Karpasz. 

 

3. Tag: In den Stollen des Eulengebirges
Durch dunkle Wälder und kurvenreiche Täler ging es am nächsten Tag ins Eulengebirge. Beim Ort Podziemne Miasto Osówka besichtigen wir das „Projekt Riese“. Das strengstens geheim gehaltene Bauvorhaben bezeichnet ein komplexes Stollensystem aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Historiker gehen davon aus, dass hier ab 1943 ein neues Führerhauptquartier als Ersatz für die Wolfsschanze gebaut werden sollte. Hier arbeiteten 20.000 Häftlinge aus den naheliegenden Konzentrationslagern, etwa 5000 Menschen wurden brutal ermordet. Es war ein beklemmender Besuch. Am Nachmittag erreichten wir in Tschechien die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt. Wir besichtigten wir das 17,7 Quadratkilometer große Naturschutzgebiet mit seinen unzähligen Sandsteinfelsen. Zwischen des Felsen herrschte eine herrliche Ruhe und man konnte so richtig entspannen. Am Abend begrüßte ich Karpasz’ Bürgermeister Bogdan Malinowski auf unserem traditionellen Vereinsabend.  

4. Tag: Schlösser, Schluchten und das wunderschöne Breslau 
Am Samstag ging es zunächst zum Schloss Fürstenstein, dem größten Schloss Schlesiens (Zamek Książ). Es liegt im Waldenburger Bergland auf dem Fürstenberg, der im Süden, Westen und Nordwesten von einer tiefen Schlucht, der Pełcznica (Polsnitz), umgeben ist. Es liegt aber auch nördlich der Stadt Wałbrzych (zu deutsch Waldenburg). Von hier stammen unter anderen der Politiker Klaus Töpfer und Fußballkommentator Marcel Reif. 
Die riesige Gruppe erregte auf unserer Tour in jedem Ort einiges Aufsehen. So auch in Walbrzych, wo 155 Motorräder ankamen und sich die 170 Bikerinnen und Biker unter die Besucher des Schlosses mischten. Am Abend erreichten wir Wrocław (Breslau), wo die letzte Übernachtung unserer Tour stattfand. Unseren beeindruckenden Fuhrpark stellten wir hier mitten in der Stadt am Hotel ab. Schnell nutzten die Motorradliebhaber unter den Breslauern und den anderen Touristen die Gelegenheit zu einem kostenfreien Messebesuch im Freien. Klar, dass unter den 155 Maschinen alle möglichen Marken und Modelle vertreten waren.

5. Tag: Klosterbesuche und Rückfahrt in die Hauptstadt
Breslau möchte ich allen für einen Besuch empfehlen. Die wunderschöne Altstadt lädt zum Schlemmen, Bummeln und Entdecken ein und war in diesen Tagen vielleicht sogar etwas bunter als üblich. Überall gab es Vorführungen und Musik. Kein Wunder, denn im nächsten Jahr möchte Breslau gern Kulturhauptstadt Europas werden und bewirbt sich ehrgeizig dafür. Über die Klöster Leubus und Neuzelle ging es zurück nach Berlin, das wir am Sonntagabend erreichten. 
Ich glaube, dass diese Tour ein schöner Beitrag zur freundschaftlichen Verständigung zwischen Deutschland und Polen gewesen ist. Überall winkten uns die Menschen freundlich zu und wir bekamen eine große Resonanz der örtlichen Politik, aber auch der Presse, die inklusive des polnischen Fernsehens vertreten war. 
Motorradfans möchte ich diese schöne Gegend unbedingt für eine eigene Tour empfehlen. Gern geben wir Euch Tipps für Eure Planungen. Sprecht mich, Christina oder Frank einfach an. 

Herzlichst:
Ihr und Euer Michael Thews

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