Die 15. Freundschaftsfahrt oder: der Härtetest für Motorradfahrer/innen

Es fing schon gut an: 28.05.2014, Blick aus dem Fenster, es regnet in Strömen. Motorrad packen und los zum Empfangsportal des Berliner Reichstagsgebäudes. Da ich mich wieder als Tourguide zur Verfügung gestellt hatte, durfte ich schon um 07:00 Uhr da sein. Unterwegs stellte ich schon mal fest, dass meine Sommerhandschuhe nicht wasserdicht sind. Bei der Ankunft am Reichstag hatte der Platz große Ähnlichkeit mit einem Schwimmbad. Der gesamte Platz stand unter Wasser. Ich habe kurz dran gedacht, dass Rolf und Gaby doch Glück hatten, nicht mitzukönnen, da sie auf der FEMA-Konferenz in Island vertreten mussten.
Aber was soll’s. Bekannte begrüßen, noch einen Kaffee trinken. Dann kommen die Verabschiedungsreden mit den Wünschen für besseres Wetter. Nun geht es los. Pünktlich um 9:00 Uhr Abfahrt bei Starkregen mit Polizeibegleitung, alle Gruppen in einer Kolonne bis zur Raststätte Dreilinden. Aber halt, was ist das? Eine Gruppe fährt nicht los??? Kurz anhalten. Was ist los? Oh, das erste Motorrad startet gar nicht erst. Was nun? Kurz nachschauen, das Motorrad in den Eingang zum Reichstagsgebäude schieben, der überdacht ist. Werkzeug raus. Das Problem war schnell gefunden und behoben. Nun konnte es auch für uns losgehen. Leider war jetzt die Kolonne mit der Polizeibegleitung weg. Fragt lieber nicht, wie. Aber wir haben es durch den Berliner Verkehr geschafft, gleichzeitig mit der Kolonne an der Raststätte Dreilinden einzutreffen.
Ab da ging es dann in kleinen Gruppen, geführt von den Tourguides, weiter. Spritzwasser von unten und mächtig viel Wasser von oben. Erst mal so ca. 180 km über die BAB bis zur Abfahrt Eisenberg, von dort weiter über Landstraßen bis Bamberg, unserem ersten Übernachtungsstopp. An diesem Tag konnte jeder Teilnehmer feststellen, wie regendicht seine Ausrüstung ist. Nach gefühlten 12 Stunden Dauerregen hatten die wenigsten Sachen durchgehalten.
Meine drei Paar Handschuhe haben schon am ersten Tag aufgegeben. Bewundernswert fand ich die Gruppendynamik. Keiner hat aufgegeben, alle sind angekommen. Abends beim Bier haben wir dann gemeinsam über unsere nassen Klamotten gelacht, noch nicht wissend, dass der nächste Tag nicht viel besser wird.
Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass der Regen noch zugelegt hatte. Egal, wir müssen los, rauf zu der trutzigen Altenburg. Dort empfing uns der Oberbürgermeister Andreas Starke im Innenhof. Kaum jemand nahm den Helm ab. Danach ging es weiter. Ständiger, zuverlässiger Begleiter waren die Regenwolken. Weiter ging es über Heiligenstadt, Pottenstein, Neumarkt in der Oberpfalz und Riedenburg. Herrliche Landschaften und traumhafte Straßen. Aber auch der Abt des Klosters Weltenburg am Donaudurchbruch, dem wir einen Besuch abstatteten, konnte an der hohen Luftfeuchtigkeit leider nichts ändern.
Kurz vor dem Tagesziel Bad Griesbach kam sie auf einmal, die SONNE. Schön, es gab sie also doch noch. Pitschnass, aber bei Sonnenschein kamen die einzelnen Gruppen im Hotel an. Dieses hatte auch einen Trocknungsraum eingerichtet, der sehr schnell überfüllt war. Meine Stiefel, von denen ich am Abend davor noch geschwärmt hatte, waren durch. Schnell wurden alle Papier- und Plastiktütenbestände des Hotels geplündert, warm geduscht und ab zum Vereinsabend. Trinken, Essen, Quatschen, alte Kontakte pflegen, neue beginnen und irgendwann, wie immer, viel zu spät ins Bett.
Am nächsten Morgen, was soll ich sagen: KEIN REGEN. Ab zum Empfang der Fa. Stadler Motorradbekleidung. An dieser Stelle muss ich mich noch einmal herzlich bei Hans Jürgen Stadler bedanken. Er hatte mir auf meine Anfrage hin vor der Fahrt eine Textilkombi zum Testen zugeschickt. Eines kann ich Euch versichern: das Ding ist dicht geblieben. Auch nach zwei Tagen durchgehendem Regen kein Wassereinbruch. Nach dieser Testfahrt blieb mir nichts anderes übrig, als die zu kaufen. Die geb‘ ich nie wieder her. Die weiteren Strecken führten über schöne Straßen durch die Strubklamm, am Mondsee, dem Attersee vorbei und dem Bayerischen Wald abwechselnd auf der deutschen und tschechischen Seite nach Bayreuth. Dort schloss ein Empfang im Herzogkeller durch Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe den Tag ab.
Sonntags verabschiedeten sich einige Teilnehmer schon morgens, um den Heimweg in den Süden oder Westen des Landes anzutreten. Der Rest tourte über Bad Berneck, Selb, Klingenthal und Schneeberg zum Sachsenring, den wir aber wegen der Umweltschutzregeln an diesem Sonntag leider nicht befahren durften. OB Lars Kluge warb für die Region. Danach ging es zum Endspurt in die Zielschleife über Grimma, Torgau, Herzberg und Jüterborg zurück nach Berlin.
Das Motto der 15. Internationalen Freundschaftsfahrt der Sportgemeinschaft Deutscher Bundestag e.V. lautete „Dreiländereck: Deutschland - Tschechien - Österreich“. Es waren außergewöhnliche, in langen Abschnitten sehr nasse 2.235 km. Besonders aufgefallen ist mir der Zusammenhalt der doch willkürlich zusammengewürfelten Gruppen. Niemand wurde zurückgelassen. Die Gruppen haben sich am schwächsten Glied orientiert, und das ohne urren.
Warum machen wir das jedes Jahr mit? Weil Motorradfahren mit Freunden Spaß macht, selbst bei Dauerregen.
Ride Free
Tedy

 Zu den Bildern