14. Freundschaftsfahrt 2013

Altdeutsche Städtetour

Wer die Berichte über die bisherigen Freundschaftsfahrten der Gruppe Motorsport verfolgt hat, wird beim Lesen dieses Berichts auf einige Veränderungen stoßen: Keine Anreise mit dem DB-Autozug – die Preise passten einfach nicht mehr ins Budget - , nur ein Hotel für vier Nächte und Tagestouren in wunderschöne Umland der fränkischen Metropole Würzburg. Hatte es anfangs ein paar skeptische Gesichter gegeben, von wegen nur deutsches Mittelgebirge und keine spektakulären Strecken wie bei der letzten Tour in den Alpen, kein internationaler Parlamentsbesuch, so veränderten sich die Mienen mit jedem Kilometer, mit jedem Tag. Doch der Reihe nach.

 

Die Fahrt begann wie in den vergangenen Jahren vor dem Reichstag, allerdings zu einer ungewohnt frühen Stunde. Die „Familie“ traf sich auf dem Ebert-Platz, man begrüßte sich herzlich und umarmte sich. Schließlich hatten sich viele seit einem Jahr nicht gesehen. Das Gepäck wurde wie üblich in den Transportern verstaut und schließlich versammelten sich alle zur Begrüßung durch die Organisatoren und Unterstützer vor dem Osteingang des Reichstagsgebäudes.

 

Vizepräsident Wolfgang Thierse ließ es sich nicht nehmen, die Gruppe Motorsport mit launigen Worten zu verabschieden. Vor dem Start übergab Martin Grein als Vertreter des Industrieverbands Motorrad einen Scheck in Höhe von 4.000 € an die Aktion „Way-to-Huyen“. Schon traditionell begleitet von der Motorradstaffel der Berliner Polizei führte unsere erste kurze Etappe in Großgruppe zum Zollhof Dreilinden. In kleinen Gruppen ging’s dann über die Autobahn zu unserem ersten Zwischenziel zum Schleizer Dreieck.

 

Nach der für Motorradfahrer nicht gerade begeisternden Geradeausfahrt über die Autobahn trafen schließlich alle Gruppen an der ältesten Naturrennstrecke Deutschlands ein. Nach der Begrüßung durch die kommunalen Amtsträger, verbunden mit einigen Informationen über die Geschichte dieser einmaligen Rennstrecke, konnten sich alle Teilnehmer mit Bratwurst und Kraut stärken und den Flüssigkeitshaushalt mit erfrischenden Getränken wieder auffüllen. Das erste Rennen auf dieser wunderschön in die Landschaft eingepassten Rennstrecke fand bereits Mitte 1923 statt. Im Laufe der Zeit wurde die Streckenführung mehrfach den jeweiligen Erfordernissen entsprechend umgebaut. Leider finden aufgrund der verschärften Lärmschutzauflagen nur noch wenige Rennen im Jahr statt. Wenigsten der Internationalen Deutsche Motorradmeisterschaft gelingt es noch, hier interessante Rennen durchzuführen.

 

Aber jede Rast hat einmal ein Ende. Zur Freude aller Mitfahrer ging es dann über schmale und gut ausgebaute Landstraßen Richtung Würzburg. Thüringer Wald, Haßberge und Steigerwald luden zum Tanz durch die Wälder und Felder ein. Bei einem kleinen Zwischenstopp im Biergarten von Kloster Banz fühlten sich einige an die Bozen-Tour erinnert, bei der wir hier um die Mittagszeit einen längeren Stopp eingelegt hatten. An diesem Tag blieb aber nur Zeit für ein Stück Kuchen und einen belebenden Kaffee. Dabei lohnt sich ein Besuch in dieser im 11. Jahrhundert entstandenen Benedektinerabtei. Das gute Wetter und die noch vor uns liegende Wegstrecke waren jedoch Motivation genug, um sich wieder auf die Motorräder zu schwingen und den Rest der ersten und zugegeben recht langen Etappe in Angriff zu nehmen. In Würzburg war dann der Abend zur freien Verfügung, d.h. jeder konnte sich von den Anstrengungen des Tages auf seine Weise erholen, sei es bei einem Bummel durch die nahe Altstadt oder bei einem leckeren Essen in einem der zahlreichen Lokale oder an der Bar im Hotel.

 

Der zweite Tag führte uns in die wunderschöne Landschaft der Hohenlohe. Es muss nicht immer das Hochgebirge sein, um der Leidenschaft des Motorradfahrens frönen zu können. Auf gut ausgebauten Straßen verließen wir Würzburg und surften durch die herrlichen Täler der Jagst, des Kocher und der Tauber. Kloster Schöntal im Jagsttal war die erste Station unserer deutlich kürzeren Tagestour. 1153 als Zisterzienserabtei gegründet und im Laufe der Jahrhunderte sowohl von der katholischen wie evangelischen Kirche genutzt, dient das Kloster heute als Tagungsstätte, Waldlandschulheim und auch als Rathaus für die Gemeinde Schöntal. Die Bürgermeisterin nutzte dann auch die Gelegenheit, um uns ausführlich über die Geschichte Schöntals zu informieren. Auch für einen kurzen Besuch der wunderschönen Barockkirche war noch Zeit genug.

 

Weiter ging es über kleine kurvenreiche Straßen hinauf zum Schloss Stetten. Diese Anlage ist eine der besterhaltenen Ritterburgen aus der Staufenzeit und befindet sich seit 900 Jahren im Besitz der Freiherrn von Stetten und wird auch heute noch von der Familie bewohnt und bewirtschaftet. Der Hausherr Christian Freiherr von Stetten, MdB, hatte uns auf sein Schloss eingeladen und bot den Teilnehmern einen interessanten Einblick in die Schlossanlage und ihre Geschichte. Weiter führte unser Weg über Langenburg nach Rothenburg ob der Tauber. Zur Überraschung der zahllosen Touristen, die die Stadt während des ganzen Jahres bevölkern, hallten die Geräusche von rund 180 Motorrädern durch die engen Gassen dieser mittelalterlichen Stadt. Der sonst so weitläufige Rathausplatz reichte fast nicht aus, um die Motorräder inmitten der Stadt abzustellen. Den Empfang im Rathaus nutzte das Wetter, um mit einem heftigen Regenschauer die Motorräder vom Straßenstaub zu befreien. Die Rückfahrt ins Hotel konnten wir dann aber wieder auf trockenen Straßen absolvieren.

 

Der dritte Tag sollte uns einen besonderen Höhepunkt bescheren. Zunächst führte uns die Route auf wunderschönen Straßen mainabwärts, ehe wir Richtung Odenwald abbogen. In dem kleinen Ort Breuberg wurden wir bereits erwartet. Die Mitarbeiter des Reifenwerks von Pirelli waren bestens auf unsere nicht gerade kleine Gruppe vorbereitet und führten uns durch die Produktionsanlagen. Neugierig und mit zum Teil erstaunten Gesichtern ließen wir uns von fachkundigen Mitarbeitern des Werks zeigen, wie das entsteht, worauf wir uns jeden Tag verlassen müssen, wenn wir mit dem Motorrad unterwegs sind: die Reifen. Und wir konnten erkennen, wieviel Handarbeit trotz immer weiter fortschreitender Automatisierung noch vonnöten ist, um einen Reifen zu „backen“. Natürlich hatte man bei Pirelli auch nicht vergessen, dass ein Motorradfahrer nicht nur Reifen, sondern auch eine Stärkung für sich selbst braucht. Die Weiterfahrt durch den landschaftlich traumhaften Odenwald mit seinen kurvenreichen Straßen ließ uns dann noch einmal die Bedeutung guter Reifen für dir Sicherheit unserer Motorräder bewusst werden. Vorbei am Hesseneck, das in der Vergangenheit Schauplatz des Krähbergrennens, einem Lauf zur Bergeuropameisterschaft war, in den letzten Jahren aber Schlagzeilen durch Sperrung für Motoradfahrer am Wochenende gemacht hat, führte uns unser Rundkurs natürlich wieder zurück nach Würzburg ins Hotel. Den Abschluss des Tages bildet eine Fahrt mit dem Schiff auf dem Main. Ziel der dritten Rundtour von Würzburg aus führte uns nach Norden. Steinau an der Straße wurde auf Nebenstraßen angesteuert. Weil die Gebrüder Grimm hier einen Teil ihrer Jugend verbracht haben, führt die Stadt auch den Zusatz „Gebrüder-Grimm-Stadt“. An diesem Nachmittag waren wir allerdings nicht die einzigen Besucher der Stadt. Eine Oldtimer-Veranstaltung hat sich im Schloss Steinau breit gemacht, so dass wir keine Möglichkeit hatten, das Schloss selbst in Augenschein zu nehmen. Aber der Anblick der zum großen Teil liebevoll gepflegten und gehegten Oldtimer entschädigte uns dafür reichlich. Passend dazu machten auch die Steinauer reichlich Werbung für ihre „Märchenstadt“, indem sie in typischen Märchenkostümen über den Rathausplatz flanierten. Auf kurvenreichen Straßen ging es dann wieder zurück nach Würzburg Zum Abschluss unseres Würzburgaufenthalts trafen sich dann alle Teilnehmer zu unserem traditionellen Vereinsabend. Am Eingang des festlich geschmückten Saals standen standesgemäß drei Motorräder, aber was für welche: Drei Generationen Münch-Motorräder. Der derzeitige Eigentümer der „Mammuts“ stellte uns diese Ungetüme und ihre Geschichte in einem von Begeisterung geprägten Kurzvortrag vor. Weiterer Höhepunkt war schließlich die Verlosung der vielen und recht wertvollen Preise unter den Gewinnern des obligatorischen Preisausschreibens. Wie lange der gemütliche Teil dann ging? Nobody knows.

 

Die Rückfahrt nach Berlin am letzten Tag der Tour hatte unser Organisationsteam dann als Test in mehreren Disziplinen ausgestaltet. Erstes Testkriterium: Wetterfestigkeit der Motorradbekleidung. Regen, Temperaturen im deutlich einstelligen Bereich schafften bei den Teilnehmern Klarheit, ob sie bei der Wahl ihres Ausstatters ins Schwarze getroffen hatten oder eben nicht. Allerdings ist das Ergebnis dieses Tests bisher keinem der Teilnehmer bekannt gegeben worden. Das Ergebnis des zweiten Tests ist allerdings bekannt: Alle Teilnehmer haben durchgehalten und sind wohlbehalten zu Hause angekommen. Und doch war es wie in jedem Jahr: Alle haben sich lange drauf gefreut, die Zeit verging wie im Flug und jeder denkt schon wieder an das nächste Jahr, wenn es heißt: Die 15. Freundschaftsfahrt führt wohin? Wir sind wieder dabei!

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