"Dzien´ dobry"

(polnisch "Guten Tag")Unter dem Motto "Mobilität überwindet Grenzen und verbindet Kulturen" tourten rund 130 Biker bei der zweiten internationalen Freundschaftsfahrt von Berlin nach Warschau.

Ein Bericht von Gaby Hauser-Allgaier.

Breslau
Begrüssung in Breslau

Bike-Treffen in aller Frühe am Himmelfahrtstag. Vor dem Reichstagsgebäude lassen 130 Motorradfahrer genüsslich ihre Maschinen an, die Startflagge senkt sich. Julius Friedrich Beuchert, MdB und Vorsitzender des Sportausschusses Deutscher Bundestag, gibt das Zeichen und los geht die viertägige Freundschaftsfahrt der Sportgemeinschaft des Deutschen Bundestags e. V. in Richtung Warschau. Die Spitze des Feldes der Abgeordneten und Parlamentsmitarbeiter führen zwei enthusiastische Motorradfahrer in schwarzer Lederkluft an. Der eine ist Bundestagsvizepräsident Dr. Herrmann Otto Solms (FDP), neben ihm fährt Dr. Peter Struck, SPD-Fraktionschef. Mehr im Easy-Rider-Stil folgen die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Gila Altmann (B90/Grüne). Sie lenkt eine japanische Choppermaschine, mit der sie im heimischen Aurich sogar zu Wahlkreisveranstaltungen fährt. Hundertprozent stilecht dagegen der frühere sächsische Innenminister Heinz Eggert (CDU), er sitzt auf einer Harley-Davidson.

Struck Altmann Eggert

Bei strahlendem Sonnenschein haben die Biker freie Fahrt bis zur Stadtgrenze, dafür sorgt die Motorradstaffel der Berliner Polizei, dann übernehmen die Brandenburger Kollegen und der Bundesgrenzschutz das Geleit bis zum polnischen Schlagbaum in Gubin. Die erste Etappentour führt durch den Spreewald und das Lebuser Land auf engen Landstraßen vorbei an blühenden Rapsfeldern, bewohnten Storchennestern und am Rand angepflockten Ziegen bis zum ersten Nachtquartier im polnischen Kalisch.

Struck Hack
Peter Struck und Michael Hack

Lufthansa
Gruppe Lufthansa

DRk-Staffe
DRK-Staffel

Hein
Jasper Hein und Mitfahrer

Z um Tross gehört eine fahrbare Klinik, Gepäckfahrzeuge und zwei Werkstattwagen von TÜV und BMW mit Mechanikern. Den Schluss bildet für alle Fälle der Biker-Doc Jasper Hein auf seiner BMW. Für den Marburger Internisten, der schon 20 mal das härteste Motorradrennen der Welt, die "TT" auf der Isle of Man medizinisch betreut hat, "ist dies eine Kaffeefahrt", wie er lachend betont und, um es hier gleich vorweg zu nehmen, der Ausflug verlief unfallfrei.

Petsch
Thomas Petsch, Heinz Eggert und Peter Struck

Mammut
Münch Mammut 2000

In jeder Pause bilden sich Grüppchen um die schweren Bikes. Es wird über Drehzahlen, Kurvenlage und Beschleunigungspotenziale diskutiert. Im Zentrum des Interesses der Zweiradfans steht aber während des gesamten Trips ein einziges Motorrad, die "Münch Mammut 2000". Das mit rund 86.000 Euro teuerste Modell im Pulk lässt Männeraugen funkeln, aber fahren darf diese Traummaschine nur der Besitzer und Münch-Firmeninhaber Thomas Petsch aus Würzburg. "Das Ding wär’ nichts für mich", sagt Peter Struck mit einem skeptischen Blick auf die mehr als spartanisch gepolsterte Sitzfläche der Mammut und schlägt sich auf die Rückseite seiner Lederjeans. Einen Traum verwirklicht hat sich auch Ruth Mander. "Zu meinem 50. Geburtstag wollte ich mir was Besonderes gönnen", sagt die Angestellte aus dem Gesundheitsministerium, die erst vor fünf Jahren den Motorradführerschein gemacht hat, und blickt stolz auf ihren BMW-Cruiser in elfenbein-saharabraun.

Japan
Veröffentl

Delch enormen Stellenwert die Freundschaftsfahrt inzwischen genießt, zeigt die Teilnahme der Gäste aus Japan. Hiromi Kuroi ist von Yamaha, Dr. Hans-Jörg Geduhn ist Senior Director der BMW Motorcycle Group in Japan, Jun Yamada und Toshi Wakayama sind japanische Journalisten, die in ihrer Heimat über die Aktivitäten der Sportgemeinschaft Deutscher Bundestag berichten werden.

Struck Japanaer
Peter Struck mit japanischen Motorradfreunden /p>

Vip_Taxi Ruhrgas

Mit dem Sturzhelm in den Sejm

Der Motorrad-Korso durch Warschaus City gehört mit zum Höhepunkt der Tour. Die einheimische Presse hat die Einwohner schon seit Tagen auf die prominenten Zweiradfahrer eingestimmt, das Interesse ist umwerfend. Überall bleiben die Menschen stehen und winken freundlich, die Autofahrer hupen und lachen. Die Hauptstadt an der Weichsel empfängt die Motorradfans aus Berlin mit offenen Armen und höchstem Zeremoniell. Vorbei an Polizeiabsperrungen wie bei Staatsbesuchen geht es auf Einladung des Parlamentspräsidenten Maciej Plazynski zu einem rustikalen Grillfest in den Garten des Sejms. Am Abend wird der offizielle Teil fortgesetzt, die Willi-Daume-Stiftung lädt zu einem Empfang des deutsch-polnischen Sports.

Kranzniederlegung
Kranz Niederlegung

Nach Kranzniederlegungen am Mahnmal des Warschauer Gettos und dem für den polnischen Widerstand teilt sich die Gruppe am Samstagvormittag. Die "ganz harten Jungs" führt die Rückreise - natürlich auf den eigenen Maschinen - nach einer Werksbesichtigung der Firma Münch in Ostrow über Breslau wieder an die Spree. Der andere Teil macht vor dem Verladen der Motorräder auf einen Tieflader einen Ausflug nach Plock. In diesem Städtchen, hoch über den Ufern der Weichsel gelegen, kommt es zwischen Bürgermeister und örtlichen Harley-Club-Vorsitzendem zu einem Gerangel darüber, wer die deutschen Biker wie lange empfangen darf. Spätestens jetzt wird deutlich, die Fahrt ist ein voller Erfolg, denn das Klima zwischen den Bikern aus Ost und West könnte nicht herzlicher sein. Freundschaftliche Abschiedsszenen gibt es auch bei denen, welche die ganze Tour auf der Sitzbank absolviert haben. Interfraktionell fällt man sich angesichts der fahrerischen Leistung und der freundschaftlichen Atmosphäre in die Arme und verspricht, im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei zu sein. Das Ziel der "Euro-Tour" liegt dann im Westen. Von Berlin geht es über Kassel, Wiesbaden und Luxemburg nach Brüssel.

Tanke Eggert